Cacao & Clay: Eine über 5.000 Jahre alte Verbindung von Erde, Transformation und Gemeinschaft
Wenn wir heute ein warmes Cacaogetränk in einer Tasse umfassen, spüren wir oft intuitiv eine tiefe Verwurzelung – die Verbindung zwischen Cacao und Erde.
Es ist die Erde, die in Ton (engl. Clay) verwandelt wird, und der Cacao, der aus den Samen des Theobroma cacao Baumes entsteht. Es gibt eine elementare Verbindung dieser beiden Elemente: Cacao und Clay sind seit Jahrtausenden untrennbar miteinander verwoben.
Beide stammen tief aus der Erde und der Natur. Und beide durchlaufen faszinierende Prozessschritte der Transformation, bevor sie uns nähren können. Auf der einen Seite die Erde, die durch Wasser geformt, an der Luft getrocknet und schließlich durch Feuer zu einem festen Keramikgefäß gebrannt wird. Auf der anderen Seite die Cacaofrucht, deren Samen fermentiert, getrocknet, geröstet und gemahlen werden, um sich am Ende mit heißem Wasser zu einem wärmenden Getränk zu verbinden.
Seit über 5.000 Jahren werden Cacao und Ton von den indigenen Völkern Süd- und Mittelamerikas gemeinsam genutzt.
Wie sah diese Verbindung vor über 5.000 Jahren aus, und wie können wir sie heute für uns selbst erfahren?
Der historische Hintergrund: Die Mayo Chinchipe-Marañón Kultur
Die Frage „Was bedeutet es, ein Gefäß zu erschaffen, das Cacao, Geschichten, Erinnerungen und Beziehungen in sich tragen kann?“ hat eine bemerkenswert tiefe archäologische Abstammung.
Lange Zeit dachte man, die Ursprünge der Cacaonutzung lägen ausschließlich in Mesoamerika (z. B. bei den Maya oder Olmeken). Doch aktuelle archäologische Ausgrabungen im Hochamazonasgebiet zwischen Ecuador und Peru erzählen eine noch ältere Geschichte. Dort lebte vor etwa 5.500 Jahren die Mayo Chinchipe-Marañón Kultur (zentriert um die Stätte Santa Ana-La Florida in Ecuador sowie Huaca Montegrande in Peru). Sie ist aktuell die älteste bekannte Gesellschaft, bei der wir den Verzehr und die Nutzung von Cacao nachweisen können.
Die Mayo Chinchipe waren eine hochentwickelte Gesellschaft mit monumentaler, spiralförmiger Architektur, komplexen sozialen Strukturen und einer außergewöhnlichen Handwerkskunst, die Cacao und Ton für immer verband. Im Artikel findest du einige Eindrücke der Keramik Kreationen sowie die spiralförmige Struktur der archäologischen Stätten und Tempelanlage in Montegrande, Peru.
Vor Ort in Montegrande forschen seit einigen Jahren der peruanische Archäologe Quirino Olivera und sein ecuadorianischer Kollege Francisco Valdez.
Im Vortrag von Quirino war für mich besonders faszinierend der Blick auf das Weltbild dieser Gesellschaft, denn: Die Bauweise der Tempel, wie etwa in Montegrande, zeugt von einer tiefen Verehrung der Natur und weiblichen Energie. Die Architektur bestand aus kantigen Steinen aus den Bergen (welche die männliche Kraft repräsentierten) und glatten Flusssteinen (die für die weibliche Kraft und das Element Wasser standen). Die starke Dominanz der Flusssteine sowie hochrangige weibliche Gräber im Zentrum der Anlage deuten auf eine matriarchal geprägte Struktur hin, in der Frauen eine besondere spirituelle und gesellschaftliche Rolle spielten.
Cacao war in dieser Kultur nicht nur ein Nahrungsmittel oder Wirtschaftsgut. Er galt als spirituelles Werkzeug – als eine Art „Reisemedizin“ für Schamanen, um Zugang zur spirituellen Welt zu erlangen. Die architektonische Spirale des Tempels repräsentierte dabei den Weg der Seele in ein neues Leben. Cacao, eingefasst in rituelle Tongefäße, symbolisierte in diesen Zeremonien Herzenergie, Verbindung und die Fülle der Erde. In mitten der Steinspirale befindet sich ein Grab, man geht davon aus dass er der ranghöchsten Person der Gesellschaft diente.
Cacao & Clay in den Gräbern der antiken Elite
Wenn wir das Wort „Gefäß“ in einem tieferen Sinne betrachten, zeigen sich uns mehrere Bedeutungsebenen:
- Die Cacaoschote ist ein Gefäß. Sie hält und schützt die Samen.
- Der Tontopf ist ein Gefäß. Er hält den zubereiteten Cacao.
- Der menschliche Körper ist ein Gefäß. Er empfängt den Cacao.
- Die Gemeinschaft ist ein Gefäß. Sie hält die Beziehungen, die durch das Teilen entstehen.
Antike KünstlerInnen und TöpfermeisterINnen der Mayo Chinchipe (und später auch anderer Kulturen wie bspw. der Maya) ließen die Keramikgefäße genau diese Geschichten erzählen. Die Töpferkunst diente nicht nur nützlichen Zwecken Zuhause oder in der Küche, sondern hatte tiefgreifende rituelle Bedeutungen.
In den Gräbern der damaligen Elite fanden Archäologen faszinierende Artefakte. Die HandwerkerInnen formten den Ton zu naturalistischen und abstrakten Bildnissen, die Kürbisse, menschliche Gesichter oder eben Cacaoschoten nachahmten. Eines der Stücke ist ein steinerner Mörser, der detailgetreu in Form einer Cacaoschote geschnitzt wurde.

Quelle: Francisco Valdez, „Primeras Sociedades de la Alta Amazonía“, 2013, p. 53
Zudem gilt diese Kultur als Erfinder der sogenannten Steigbügelausguss-Flasche (botella con asa de estribo) – eine elegante, ausbalancierte Tonform, die verhinderte, dass kostbare Flüssigkeiten verschüttet wurden. Diese Keramiken waren verziert mit feinen Einschnitten (Inzisionen), Punktierungen und oftmals mit roter, weißer oder gelber Farbe bemalt. In genau einer solchen Grabflasche fanden Wissenschaftler die Überreste eines flüssigen Cacao-Getränks.

Quelle: Francisco Valdez, „Primeras Sociedades de la Alta Amazonía“, 2013, p. 44

Quelle: Francisco Valdez, „Primeras Sociedades de la Alta Amazonía“, 2013, p. 54
Eine der berühmtesten Steigbügelausguss-Flaschen zeigt ein Gesicht, das direkt aus einer Spondylus-Muschel emporsteigt. Diese Muschel galt als besonderes Symbol für Wasser und Fruchtbarkeit und zeigt, wie tief die Verehrung der Naturreichtümer in den Ton gebrannt wurde. In genau einer solchen Grabflasche fanden Wissenschaftler die Überreste eines flüssigen Cacao-Getränks.
Genau diese von Menschenhand geschaffenen, gebrannten Tonkapseln dienten als Zeitkapseln, die die mikroskopischen Überreste des antiken Cacaos über 5.000 Jahre lang schützten, bis wir sie heute wiederentdecken konnten.
Heute: Cacao und Ton – Zurück im „Present Moment“
Diese Jahrtausende alte Symbiose aus Ton, Cacao, Wasser, Luft und der menschlichen Bewegung bei der Zubereitung holt uns heute wieder in den gegenwärtigen Moment (Present Moment) zurück.
Wenn wir heute eine Tasse Cacao in beide Hände nehmen, spüren wir die Textur des gebrannten Tons an unseren Fingerspitzen und riechen den Duft des Cacaos. Wir nehmen wahr, wie die rohe Erde durch die Hand einer Künstlerin, durch Hitze und Wasser transformiert wurde, um nun ein Getränk zu halten, das uns nährt. Es erdet uns. Es bringt uns aus dem lauten Alltag direkt in unseren eigenen Körper – unser eigenes Gefäß – und verbindet uns mit dem Großen Ganzen um uns herum.
Gestalte dein eigenes Gefäß
(Live Event am 18.10. in München)
Wenn du diese elementare Verbindung von Cacao & Clay selbst erleben und formen möchtest, lade ich dich gemeinsam mit Melanie von Studio Pertiwi zu einem ganz besonderen Event am 18. Oktober ein.

Warmer Cacao, kreatives Töpfern, nostalgischer Herbst, ein kreatives Zusammenspiel aus Achtsamkeit, Entschleunigung und Handwerk. Genieße näheren Cacao direkt aus Peru, während du deine eigene Tasse mit der Kurinuki Technik töpferst. Nach dem Event, wird deine Tasse gebrannt und glasiert, so dass du sie für deine besonderen Momente hernehmen darfst.
Hier kannst du dich anmelden.